Gepäckausgabe September

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„PLEASURE AND COMFORT OR THE PRESENCE OF THE LOST“

Die Protagonisten von Magdalena Baranyas „dust catcher series“ sind gesammelte, vergessene oder verschenkte Objekte. Sie sind auch unter der Bezeichnung „Staubfänger“ bekannt.

Besonders in Ferienhäusern fällt die Dekoration aus allgegenwärtigen Staubfängern auf, die Magdalena Baranya fotografisch zu archivieren begann. Woher kommt eigentlich das unermüdliche Bedürfnis zur Dekoration?

Aus den räumlichen Dekorationsgegenständen entwickelte Baranya mittels der Fotografien flächige Ornamente als Wandtapeten oder Teppiche. Die entstandene Anordnung der Objekte in der Wandteppichcollage lassen eine Vierteilung erkennen, die ihren Ursprung in der Persischen Gartengestaltung von Paradiesgärten hat. In diesen Gärten sammelten die Perser Pflanzen, Tiere und früchtetragende Bäume, welche sie von ihren Feldzügen mitbrachten. Die Paradiesgärten wurden durch geometrisch angeordnete Bewässerungskanäle viergeteilt, welche für einen stetigen Wasserfluss sorgten und in deren Zentrum sich ein Wasserbecken befand. Diese Gestaltung der Paradiesgärten übernahmen die Perser für ihre Perserteppiche. Die Verbindung zwischen der Paradiesvorstellung und den Gegenständen unserer heutigen Konsumkultur in Baranyas Wandteppichcollagen geht jedoch noch weiter. Im Paradies sowie in der Konsumkultur herrscht Überfluss. Oft glaubte man, die Grenzen des Wachstums seien erreicht, doch die unersättliche Nachfrage lässt anderes vermuten. Unsere Konsumkultur hat sich längst als pazifistisches Element in unserer Gesellschaft manifestiert. Man könnte getrost auf jedes einzelne Glied in dieser opulenten Tapete verzichten, da es keine relevante Funktion im täglichen Leben übernimmt. Dennoch wird es als Dekorationsartikel fortlaufend in grossen Mengen hergestellt. Es muss am Charme liegen, an den Emotionen, die uns diese Objekte entlocken, wie ein Lächeln oder ein Grausen. Diese Objekte, welche aus emotionaler Verbundenheit behalten werden, welche auf diese Weise etwas über den Eigentümer preisgeben, welche halb aussortiert sind und sich wie Asylanten im Ferienhaus tummeln oder Jahrzehnte auf Fenstersimsen und hohen Schränken herumgammeln, interessieren Baranya in ihrer Arbeit.

Dieses Verhaltensmuster –Dinge zu benötigen die man eigentlich nicht braucht– ist charakteristisch für unsere Überflussgesellschaft und Konsumkultur. Längst geht es nicht mehr um Zufriedenheit. Wie im Paradies leben wir in einer Welt der ständigen Versuchung und unsere Bedürfnisse wachsen durch den stetig wachsenden Wohlstand.

Wir Menschen bauen in verschiedenen Kulturen auf unterschiedliche Art Beziehungen oder gar Obsessionen zu unseren Objekten bzw. Sammlungen auf. In der Voodoo Religion gibt es eine Praxis, in welcher es eine Art Metafiguren gibt, durch die mit Geistern und Gottheiten kommuniziert werden kann und oft eine Schutzfunktion inne haben. Diese Skulpturen bauen sich die Vodun – Anhänger selbst aus jenen Objekten zusammen, welchen sie Kräfte zuschreiben. Oft handelt es sich dabei um sehr alltägliche Dinge wie Schnur und Stoffe aber auch Colaflaschen oder Zigarettenpackungen. Die Voodoo Religion bezieht sich auf keinerlei Dogmen oder Schriften, sie arbeitet mit Gegenständen, die uns unmittelbar umgeben.

Aus den keramischen Staubfängern stellte Baranya Metaskulpturen her, welche als augenzwinkernder Titel kleine Ereignisse oder Eigenschaften tragen, welche Baranya plagten oder irritierten. So entstehen PROTECTION SCULPTURES als Teil der DUST CATCHER Serie.

Magdalena Baranya
mit Stefan Noser und Maja Alrauna Rössler

Vorbereitung: 10.08.-05.09.
Ausstellung: 05.09.-12.09.
Vernissage: Sa 05. September 2015, 17:00

https://magdalena-baranya.allyou.net
http://www.alrauna.ch

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